herbstSturm
märchen von menschen und feen


Das meer spürt die dunkelgraue masse, die sich ihm entgegenwindet, hineinstösst und seine chemische absonderlichkeit mit einem gurgeln vermischt. Schmutzige blasen entstehen da, wo die säure seine wogen berührt, und wie von eiter quillt an dieser stelle der wellenKamm empor.

In seiner bereitschaft, diesem auswurf zu fliehen, zieht es sich zögernd zurück.

Bis es ganz fern die pulsierende spannung des ufernahen sandes fühlt, als eine schar menschen sich trampelnd seinem abwartenden gestade nähert. Lachend und wie von blinder lust geschlagen, ergiessen sie sich schreiend ins wasser, und das meer kann sie nicht warnen, da seine blauen augen von einem öligen nebel beschattet sind. Es nimmt andere laute nur noch dumpf wahr, da der ausfluss seine sinne irritiert.

Aber wie die zweige auf der suche nach sonne die schatten teilen, entwindet es sich steifrückig dem ekelhauch lebröser finger und spült den schwarzen schlick in einen winkel zwischen den felsen, der der eingang zur hölle ist.

Zögernd nähert es sich daraufhin wieder dem strand. Und da erscheint an seinem gestade eine fee, die scheinbar von den klaren sternen getropft ist und taucht ein in sein wasser. Nackt in ihrer schönheit und nur vom mondschein bekleckst, schwimmt sie darin und gelangt nach einer weile zu einem schwarzen tor.

In diesem augenblick gebirst aus dem inneren der höhle ein unheilvolles getöse. Wirbel von wasser und schlick erheben sich geifernd zu orkanartigen wolken.

Kurz zeigt sich die russige lava des meeresBodens, als sich die heissen gase saugend sammeln, um dann aus dem krater der finsternis hervor zu schiessen. Feuer speihend wird glühendes gestein der fee entgegen geschleudert und reisst sie mit. Nur mühsam rettet sie sich in die sicherheit einer kühlen strömung, die ihr das meer schickt.

Dort aber quellen ihr ölige tentakel von armesdicke entgegen und wollen sie ergreifen. Schnell treiben sie die wirbelnden wogen zum ufer zurück. Knapp nur ist sie den fiebrigen auswüchsen der chemischen lauge entgangen und verbirgt nun ihren schrecken im kühlen sand. Traurig schaut ihr das meer nach, wie sie wegläuft und wohl niemals wiederkommen wird.



Casabon im jahr 31 zurück