noch 'n Gedicht
Gedichte & KurzGeschichten

von Marie de la Rue, ERKA, Alexej Michailowitsch

Gedichte KurzGeschichten Animalisches SongTexte




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der eiersoßenpudding

Mom und Paps, die schlafen noch,
es war ne harte arbeitswoch.
Doch baby ist schon früher wach,
macht deshalb auch keinen krach.
Und um die eltern nicht zu stören,
sucht es sich allein die möhren.
Erinnert sich an ein gerät,
das bisweilen auch aufgeht.
Und will auf allen vieren
den kühlschrank inspezieren.
Krabbelt gleich zur küche hin,
die tür geht auf - was ist wohl drin?
Vor sich herrlich aufgereiht,
abgekühlt zur haltbarkeit,
sind viele bunte sachen,
die sogleich freude machen.
Fleischpastete, buttercrem,
na, da wollen wir mal sehn.
Aus der cellofanen hülle
befreit in seiner ganzen fülle
sind zwei klopse, deutscher art,
die Mom hier wohl aufbewahrt.
Baby legt sie aufs parkett,
umhergerollt sind sie ganz nett.
Doch es fehlt der zusatz hier,
ein roter farbstoff, dazu bier!
Das sixpack ist gleich aufgemacht
und kommt entgegen, daß es kracht.
Eine flasche ist zerbrochen,
alsbald hats nach bier gerochen.
Doch zum glück kommt niemand rein,
pscht - jetzt heißt es leiser sein!
Die lache nimmt es schon in kauf,
denn ein klops schwimmt obenauf.
Dann auf der suche nach was rotem
hat sich ein töpfchen angeboten.
Darin ein süßer klebstoff weilt,
ist zwischen gläsern eingekeilt.
Doch für den klops ist nichts zu schade,
kommt auf ihn die marmelade.
Aber zu allem überdruß:
baby ist es mit genuß.
Und da jetzt der durst geweckt,
wird der boden abgeschleckt.
Und ein bäuerchen danach
hat es dann wie Paps gemacht.
Doch reicht das mahl dem kind nicht schon,
weiter geht die exkursion.
Eine schüssel... schau mal rein -
pudding scheint darin zu sein.
Mmm, das gibt ganz sicher kraft,
fehlen tut vielleicht noch saft.
Da oben stehn paar tüten rum,
nur ziemlich weit - es ist zu dumm!
So klimmt sich baby hoch hinan,
bis es aufrecht stehen kann.
Greift - sieht nichts, ist zu klein -
in das eierfach hinein.
Eines, gelockert aus dem halt
in den pudding unten knallt.
Gelbliches aus weißer schale,
baby zaubert was zum mahle.
Nimmt sich dann was andres raus,
leert es auf dem pudding aus.
So endet auch die bratensoße,
die Mammi sammelt in der dose,
als brauner schleim im eisalat,
gemischt mit pudding, akkurat.
Und weils so schmeckt, ißt baby-maus
gleich mit hand und mund daraus.
So ist ihm ins gesicht geschrieben,
wo die zutaten geblieben.
Daß jeder sieht und es versteh,
hier schmaust ein wahrlicher gourmet!
So hockt er in der pfitze,
bierumspült am sitze.
Quickt vor sich hin aus wohlgefallen
und läßt erst dies nach draußen schallen.
So daß der eltern sinn geweckt
und alles endlich aufgedeckt.
Bier, pudding und das klopse gar
nur noch zum teil erkennbar war.
Alles zu einem brei vereint,
baby mittdrin zu lachen scheint.
Und das geht so mit jedem kind,
wenn möhren nicht zu finden sind.



der eisläufer

Dem mann, der sich nichts zugetraut,
dem bleibt die halbe welt verbaut.
So sucht er oft das risiko,
gefährliches stimmt manchmal froh.
Und laufen läßt er diesen trieb,
wenn er sich aufs eis begibt.
Denn dort beherrscht er sich perfekt,
wird sein genie erstmal entdeckt.
Und auch der frauen augenglanz
ist ihm lohn für seinen tanz.
So geht er mutig auf das eis,
der schlittschuh ihm die richtung weist.
Die eine hand noch an der bande,
sicherheit ist keine schande.
Doch will er dann zur mitte bald,
muß er's allein und ohne halt.
Dies unterfangen, gut getimt,
ist jedoch schwerer, als es scheint.
Sobald er nämlich losgelassen,
versucht er, nach dem mond zu fassen.
Die beine geh'n schneller davon,
als der rest des ganzen schon.
So hebt er ab für kurze zeit,
genießet schwerelosigkeit.
Eh er dann hinterrücks erfährt,
wie sich sein körper schnell erschwert.
Doch's fallen tat ihm nichtmal weh,
der aufprall, der war nicht ok.
Passieren kann sowas jedoch,
und bald schon ist er wieder hoch.
Nur die füß' bleiben nie still,
dreh'n sich rum, wie er's nicht will.
Fahren selbständig ins gefecht,
einer nach links, der andre rechts.
Zwingen den manne zum spagat,
die kür erst jetzt begonnen hat.
Schnell reißt er sich zur seite rum,
der sprung kommt an beim publikum.
Und aus dem schwung heraus entsteht
'ne pirouette, die sich dreht.
Dem manne leicht die sinne schwinden,
vom magen kommt arges empfinden.
Schon zu lange hielt er stand,
wie er mit befremdung fand.
Deshalb fällt er, daß man's weiß,
mit der nase auf das eis.
Nun endlich findet er die zeit
für heiter - und für übelkeit.
Die anspannung vorher tat gefährden
dem probleme herr zu werden.
Gedanklich er den kern ersinnt:
die balance hat nicht gestimmt!
Und weiter fällt ihm dazu ein:
das eis ist glatt, mein können klein.
Deshalb beginnt er noch einmal,
doch jetzt trifft er die richt'ge wahl.
Fernab der sinn nach huldigung,
üben ist die entschuldigung.
So breitet er die arme aus
und gleitet stetig gradeaus.
Wie zwei flügel hält er sie,
ausgestreckt zur balancie.
Und was jetzt den vergleich angeht -
ein pinguin das schon versteht.
Doch der mann, zum held mutiert,
beim nächsten mal sich ausstaffiert.
Knieschützer und ärmelschoner
weisen ihn als marsbewohner.
Und der helm aus leichtmetall
lindert jeden weit'ren fall.
Dazu das kissen in der hose
beläßt ihn sicher in der pose.
So gewappnet kann er geh'n
und der gefahr ins auge seh'n.
Einzig furcht ihn noch befällt,
daß das eis einmal nicht hält.
Doch auch hier ist vorgesorgt
mit einem rettungsring aus kork.
Die ansicht nun, sein outfit sei
ne zumutung und obendrein
erziele er, mit respekt,
bei frauen nicht einmal effekt,
ist falsch und so wirklichkeitsfern,
sehen wir doch alle gern,
wenn jemand der gefahr vorbaut,
wie's sich keiner von uns traut.
So zeigt er uns fürs auge was,
Zwar keine kunst, doch dafür spaß.



der kugel kurze freiheit

diesmal: aus einer anderen perspektive
die kugel, die dem lauf enteilt
freiheit suchend luft durchteilt
von eines menschen grober welt
die sich ihr entgegenstellt
aufgehalten - in ihn dringt
dessen außenhaut bezwingt
von gedärmen eingekeilt
kurz noch in der brust verweilt
dann verformt von knochenhand
die ihr zumal im wege stand
rücklings aus dem fleische tritt
ein schlupfloch findet im granit
der hintenan den felsen hält
an den der körper klatschend fällt
ihn mit seinem blut beschmutzt
dabei ihn noch als halt benutzt
so preßt der leib gegen den stein
und drückt die kugel tiefer rein
verschließt ihr endgültig das grab
dunkel fällt auf sie herab
diese nun, einsam und platt
sinnt, was sie erwartet hat
des lebens anbeginn in lehm
die freiheit hat's wie ehedem



das geisterhaus

Die welt der fantasie entsteht
wird die wirklichkeit verdreht.
Oder ist es etwa so,
sucht man die wahrheit anderswo?
Einzweideutig in der tat
ist die natur uns stets parat.
Denn unser standort uns verstellt
den ganzen rest der and'ren welt.
Da, wo wir uns grad befinden
müssen wir es nun verwinden,
kann niemals sonst ein and'rer steh'n.
Müßten wir ja dann fortgeh'n.
Einstmalen es vielleicht passiert,
daß es den and'ren int'ressiert:
wer stand auf diesem felsengrund
und sah vielleicht vor einer stund'
die welt von jener seite aus,
und machte sich dann doch nichts draus.

Doch jetzt, wo ich's mir recht beseh',
ich plötzlich vor 'nem häuschen steh'.
Die tür geht auf, ich trete ein,
lautstill zieht dunkelheit herein.
Eine treppe führt heran,
und unten ist 'n keller dran.
Dort dann eine standuhr steht,
sie geht nichtmehr - die zeit vergeht.
Oder ist ihr uhrwerk so durchtrieben,
daß sie deshalb steh'n geblieben,
weil sie 'ne standuhr schließlich ist
und die zeit anders bemißt?
Ich seh mich um in diesem zimmer,
erhellt von eines fensters schimmer.
Im zwielicht zwischen den gardinen
flackern leichte wellenlinien.
Und an mir schwimmt im konterfei
ein unterwasserfisch vorbei.
Falbenfarbig seine schuppen
sich als silberplatt entpuppen.

Das gegenschöne in dem raum
vergeht zu schnell, ich seh es kaum.
Nachg'radezu die mystik wächst
und meine sinne schnell behext.
Ich weine fast um den verstand,
lachtrauben treten aus der wand!
Pflanzenartig windet sich
'ne rebe und kommt zu auf mich.
Wird größer, baut sich vor mir auf,
ich schwöre tausend eide drauf:
eine gestalt wächst nun heraus.
Mein schwur - geschwüre werden draus.
Dieser mensch, ich schrecke mich,
sieht aus wie ich, nur bin ich's nich.
Er ist halb tier, halb and'res ding,
vielleicht sogar mein zwingeling?
Die logik weicht mir aus dem sinn
und flüchtet sich woanders hin.
Die macht sich diesem hause ringelt,
ich fühl' mich von ihr umgezingelt.
Als zubrot, gar als zubrötchen
gibt der mensch, dies ich, mir pfötchen.
Und eine kralle schnellt heraus,
macht mir jetzte den garaus?
Ewig währet die sekunde,
wie eine sternviertelstunde...
Dann verschmilzt - werd' ich verrückt?
der andere mit mir zum glück.
Ich stehe noch am selben ort,
das haus indes ist wieder fort.
Von jetzt ab lasse ich - oh graus,
mein alter ego nie mehr raus!


politik

Die politik ist wie verrückt,
oder anders ausgedrückt:
wer viel spaß hat am regieren,
muß den verstand zunächst verlieren.
Denn er darf nicht alles sagen,
was er denkt, er darf's nur wagen,
falls er überhaupt noch denkt,
wie er die geschicke lenkt.
Auch dieses wird ihm vorgesetzt,
ist doch die rede nicht zuletzt
von seinem sekretär geschrieben.
Leere hülsen sind geblieben.
Wenn er dann das wort erhält,
hätt' er sich's anders vorgestellt.
Doch begreifen braucht er's nicht,
intelligenz ist sein verzicht.
Dafür sorgt der sekretär,
nachdenkliches tut nur er.
Schreibt, wie er es so versteht,
und sich alles um ihn dreht.
Bomben bauen für viel geld,
trockenmilch zur dritten welt,
atomares weiterreichen,
- kinderköpfe streicheln...
Selbst wenn er sich einmal irrt,
er dann auch minister wird.
Der politik sich ganz verschreibt,
das denken auf der strecke bleibt.





die station


Sein dolchartiges tentakel rollte sich mit der flexiblen spitze um den ast einer kleinen trockenmangrove. Hier war kein sumpf, nicht einmal wasser. Das halslose oberteil des körpers, in dem sich im vorderteil vier sehschlitze befanden, ruckte hoch. Ihm folgte in einer zieharmonikabewegung der restliche torso. Getragen wurde das wesen von zwei gleitkugeln, die mit seinem inneren verbunden waren und von dem sich ungefähr in der mitte befindlichen gehirn gesteuert wurden.
Einen namen hatte es nicht. Die unterscheidungsmerkmale und auch die damit verbundene kommunikation bestand in einer geruchsspezifikation seiner art. Ein von den tentakeln ausgehender duft bestimmte seine identifikation und sprache war riechen, das ein- und ausgeben von duftnoten.
Alles, was es wollte, war hilfe. Sein sternenboot war auf einem ihm fremden planeten gestrandet, mit einem leeren heliumspeicher. Ihm fehlte das, was woanders 'wasserstoff' genannt wurde. Das medium seines beschleunigungs- und steuerantriebs. Ohne ihn war es hilflos und fern von seinesgleichen.
Vor ihm breitete sich heißer wüstensand aus. Nirgends war vegetation oder etwas anderes, das auf leben schließen ließ. Drei seiner augen suchten den fernen horizont ab. Weit draußen gewahrten sie einen kleinen hügel.
Die frage nach gefahr oder feindeshand stellte sich ihm nicht, da es eh seinem schicksal ausgeliefert war. Mutig rollte es zu der anhebung, die sich alsgleich zu einer halbförmigen kuppel erweiterte. Der druck der stille um ihn herum lastete schwer auf seiner außenhaut. Tief drangen seine spuren in den lockeren sand.
Als es nahe genug heran war, gewahrte es eine halboffene gleittür am rand des gebäudes. Offensichtlich war dieses von einer intelligenten spezie hergestellt, aber vollkommen verlassen. Rötlich-brauner staub bedeckte das grau des metalls. Es schlüpfte hindurch und sah vor sich einen riesigen behälter, der den ganzen raum ausfüllte. Darin befand sich etwas, das es auch kannte.
'Wasser'!
Nun wußte es, daß seine rettung nahe war. Dies mußte teil einer verlassenen station sein, intakt und unzerstört. Seine augen suchten nach einer erklärung der einöde. An der seite fand es ein schild, darauf stand 'Wassertank Marsstation IV', aber das konnte es nicht lesen.


mittsommernacht


Vor mir erweitert sich das tal zu einer breiten ebene. Matt und silbern vom mond beschienen, gleißen die ränder der schlanken bäume vor dem hintergrund des dichten gebüschs. Unter mir höre ich das gurgeln eines baches, sehen kann ich hingegen nur seine ausläufer am dunklen horizont, wo sie das meer erreichen. Doch von dort dringt kein schall zu mir, da die klare luft ihre nähe nur vorspielt.
Tief atme ich das würzige aroma der nacht. Ich beuge mich vor. Die vielen bäume, das dichte gestrüpp und das hohe gras verbergen den wasserlauf. Aber er muß irgendwo von hier oben kommen. Morgen werde ich einmal nachsehen. Seine quelle stelle ich mir als ein rinnsal vor, das aus dem felsen tritt, da, wo er porös ist, wo sich ein riß der drängenden feuchtigkeit öffnet.
Nur anhand des blubbernden säuselns vermag ich seinen lauf zu verfolgen. Es ist das einzige geräusch, das von dort unten kommt. Hier bei mir selbst nehme ich das unendliche gezirpe der grillen wahr, ihr scheuern am gezackten bein. Sonst schweigt die natur.
Ich stehe auf und hol mir einen Martini. Die luft ist lau, und der wind streicht nur leicht übers haar. Ich rieche die frische kühle der dunkelheit, des feucht werdenen grases und der lehmigen erde unter mir. Ich stelle mich an den rand des talbruchs.
Vielleicht sollte ich, wenn die nacht beginnt, zum angeln den bach hinunter ans meer fahren. Gibt es dort genug fische? Ich schaue auf die uhr. Es ist jetzt 12 uhr 30. Noch viel zeit bis zum abend. Ich verschränke die arme auf der brust und suche nach meinem stuhl. Aber er steht zu weit hinten. Ich genieße lieber den ausblick direkt über dem tal.
Wenn der mond am mittag scheint, ist es ein bestimmter tag. Am ende des sommers wird die klimazone verdunkelt, und der künstliche trabant steht den ganzen tag hier oben am himmel. Es ist die einsicht der erde, daß sie einem rhytmus unterliegt, der ihr vor ewigen zeiten bestimmt wurde. Die flora bedarf des mondes schein, seiner gravitation und ausstrahlung. Und auch den tieren und menschen ergeht es ähnlich. Mittsommernacht als eingeständnis unserer abhängigkeit.
Ich schaue hoch zum dunkelblauen himmel, in dessen weite winzige sterne blinken. Die kuppel, die die erde überragt, sie in gewaltiger höhe umschließt, sie ist nicht zu sehen. Unsichtbar reguliert sie die tage, schirmt uns vor kosmischer strahlung und bindet unsere atmosphäre. Nur selten noch wird das tor zur ewigkeit aufgestoßen, wenn ein mineraltransporter auf seinen weg zum mond geschickt wird. Zum wirklichen mond, nicht den, der von der erde aus zu sehen ist.
Erst in 17 stunden kann ich wieder das tagesblau des meeres erleben. Ich schaue zum fernen gestade, das in der dunkelheit tiefblau blinkt und dessen wellenkämme bei jeder bewegung im künstlichen mondlicht glitzern. Es ist ein schöner anblick. Ich seufze.
Meine uhr zeigt jetzt auf eins. Entschlossen drehe ich mich um. Drüben liegt mein angelzeug. Warum soll ich bis zum abend warten? Wenn der mond schon mittags scheint.



der bruch


Mich träumt von einem mann, der träumt, er sitzt in einem gefängnis. Als er aufwacht, geht er zur arbeit. Als ich aufwache, gehe ich zur zellentür und hole mein essen.
Das frühstück schmeckt immer noch nicht, und ich setze mich vors fenster. Die kahlen wände schieben sich unter eiskalter stille auf mich zu. Ich blickte runter. Der morgenschein entlarvt vier kleine schatten auf dem boden, parallel. Das wird viel kraft kosten, sie aufzukriegen. Aber ich hab sowieso keine zeit zu arbeiten. Obwohl im hof herumstehen und sich sonnen durchaus eine menge wichtiger dinge sind.
Aber heute bleibt meine zelle zu. Für bankraub gibt es im ersten jahr keine ermäßigung. Die erwarte ich aber schon lange nicht mehr. Beschenkt worden bin ich nur von meinen kindern mit ihrem lächeln. Dagegen nimmt sich die bank das geld ihrer kunden stets umsonst. Und spekuliert. Wenn ich mir das geld ihrer kunden hole, werde ich eingesperrt.
Doch ich hatte damals nichts zu verlieren. Mit meiner wohnung auf'm ast war ich kurz davor, den hals in die leine zu legen. In Moabit gab es zu der zeit ne wunderschöne parkbank, die ich nur mit meinem köter teilte. Ich oben, er der länge nach darunter. Was ich von den reichhaltigen mahlzeiten aus der mülltonne nicht schaffte, bekam er. Auf der suche nach etwas verwertbarem waren wir freunde geworden. Bis er irgendwas im bauch hatte, das ihm nicht bekam. Wenn ich auch davon gegessen haben sollte, so ist das nur ein indiz für seine besondere sensibilität.
Ich hätte es nicht bedauert, wäre ich an seiner stelle gewesen. Nur würde es ihm dann weh getan haben, denn schließlich leiden die hinterbliebenen mehr als die toten. Von daher ist es vielleicht doch besser gewesen, daß er von mir ging.
Ich weiß, daß klingt einwenig wunderlich. Aber die meisten menschen spielen schließlich verrückt, wenn es bei mir auch manchmal echt ist.
Nichts desto trotz war ich nun vollkommen allein, hatte längst beruf und familie hinter mich gelassen. Da gesellte sich ein junger mann zu mir. Er bot mir etwas von seinem fusel an, und ich gab ihm ein dosenbier. Der schnaps machte mich besoffen, und ich erzählte ihm von den narben meiner vergangenheit. Wie meine frau mit meinem freund durchbrannte. Wozu freundschaft doch alles fähig ist. Trotzdem entschuldigte ich mich für ihn, da die leute aus meiner gegend anscheinend alle schwachköpfe sind. Das mußte er aber derart mißverstanden haben, daß er mir meine rente sozialisierte. Erst am nächsten morgen dämmerte mir der verlust. Der mann hatte wahrlich vor nichts zurückgeschreckt. Nicht mal vor sich selber. Ein charakterschwein ist eben nicht ein schwein mit charakter, sondern ein mensch ohne.
Nun hatte ich garnichts mehr. Keinen schluck. Ich war verzweifelt. Wind frischte auf. Ich sah nach oben. Der himmel drohte dunkel herab. Tief und schwarz lagen die wolken über Berlin. Regen kam jetzt runter, in feinen, dichten streifen.
Ich hatte einen plan. Im feuer meiner wirren gedanken war ein geniestreich entstanden. In einem kinderwarenladen stahl ich eine spielzeugpistole. Damit enterte ich die nächste sparkasse, ein kleiner eckeingang.
Dort schlich ich mich, um ja keine aufmerksamkeit zu erregen, sogleich in das abseits gelegene büro des direktors. Ich war der meinung, daß das meiste geld irgendwo bei ihm zu finden war. Er fixierte mich kurz, wunderte sich auch über mein äußeres und fuhr wohl deshalb fort, in seinen unterlagen zu kramen. In behelflicher weise setzte ich ihm die pistole auf die nase.
Wortlos starrten wir uns an. Seine unterlippe begann zu zittern. Er fürchtete sich so, daß er als resultat schließlich einen lächerlich winselnden ton von sich gab. Mit höflichen geräuschen antwortete ich. Der raum wölbte sich. Da kam seine sekretärin herein.
Erschrocken hielt sie inne. Doch dann härteten sich ihre augen zur abwehr. "Mein gott, sind sie wahnsinnig," rief sie, "legen sie sofort das ding weg!"
Und schon kam sie mit zwei langen, energischen schritten auf mich zu und riß mir das stück plastik aus der hand.
"Fräulein, werden sie nicht brisant," wagte ich noch einzuwerfen, bevor sie andere zur hilfe holte und mich im zimmer mit dem direktor einschloß.
Mutlos hatte ich mich auf einen stuhl gesetzt und auf die polizei gewartet. "Was wollten sie eigentlich von mir?" fragte mich der andere, der endlich und wohl auch aufgrund meines ruhigen verhaltens wieder zur sprache gefunden hatte. "Geld ist hier bei mir garnicht aufbewahrt. Und geliehen hätte ich ihnen sowieso nichts!"
Eine bank und mildtätigkeit! Das ist wieder typisch für mich. Von zwei sachen, die nicht zusammenpassen, zu denken, es gäbe eine dritte, die sie vereine - zum beispiel geld - das ist wahre gläubigkeit. Das passiert mir nie wieder.
Ich seufzte. Der raum um mich herum war auf ein minimum geschrumpft. Die zellentür verteidigte ihr eisernes äußeres. Ich legte mich aufs bett.
Irgendwie fühlte ich nichts mehr. Keine knochen, kein fleisch. Schon seit tagen hatte ich den appetit verloren. Der mensch ist doch nur ein gerät, das nahrung in scheiße verwandelt. Ich schaute auf meinen unterernährten körper, dieses verkümmerte werkzeug, das ich bald ablegen sollte.
Nach gut einer woche war ich dann aus der menschheit ausgetreten und zu einer hülle geworden, deren reste der friedhof umgab. Meine letzten gedanken, bevor sich meine seele metaphysierte, galten gott. Ich fragte mich, warum er seine eigene, größte sünde niemals zugab: am 7. tag sollte er eigentlich ruhen. Doch die idee, sich ebenbilder zu schaffen, verführte ihn, den sabbat zu schänden. Hätte er doch nur darauf verzichtet!
...
...
Mich träumt von einem mann, der träumt, wie er eine bank ausraubt. Als er aufwacht, hat er viel geld bei sich. Als ich aufwache, sehe ich vor mir das mondlicht, von einem kleinen fenster umrahmt.
Ich stehe auf und frühstücke endlich.


Alderon


Alderon versank inmitten tauschillernder farben in einen dämmernden schlaf, dessen schwärende dunkelheit immer stärker die eintretende nacht beherrschte. Das magentarote feuer der fernen sonne, die das leben in diesem system speiste, wurde beschattet vom nahen riesenmond, der sich langsam zwischen sie schob. Die helligkeit setzte aus wie das plötzlich abgestellte flutlicht eines stadions, und zögernd wich die wärme des tages einer lauen kühle.
Der trabant umkreiste Alderon so schnell, daß ein nachtzyklus nur etwa zweieinhalb stunden dauerte. Doch genug, um seinen boden auf der sonnenseite nicht zu überhitzen. Die andere hälfte hingegen blieb ewiglich der kälte des alls ausgesetzt und war somit unfruchtbar und tot.
Da Alderon selbst über keine eigenrotation verfügte, war das leben von der regelmäßigen wiederkehr seines mondes abhängig, der nach 5 stunden mit seinem schatten den sonnenstrahl ablöste.
Die nacht hingegen war nie tiefschwarz, sondern bot mit ihrem samtgrauen zwielicht genügend sicht bis zu den hügeln, die weithin den horizont vom nun verhangenen himmel trennten. Denn rasch hatten sich kleine wolken über die erde geschoben und bildeten eine schmale front in der oberen sphäre.
Nur jetzt, wenn der hunger der sonne gestillt war, konnte es regnen, sammelte sich die feuchtigkeit der luft und gab sich den am boden wachsenden pflanzen hin. Sogleich fielen die tropfen wie klare tränen und reinigten alles von der staubbedeckten hitze des tages. Danach wurde Alderon wieder atembar und konnte kraft geben dem leben auf seiner oberfläche.
Scharf durchschnitt der regen die luft auf seinem weg zum boden und gab ihm sein nahrhaftes naß. Er rettete ihn vor austrocknung und verhärtung, und speiste die pflanzen und tiere für die energiezehrende glut des tages. Dann war es wieder soweit. Die luft füllte sich mit helligkeit, und der himmel blaute schnell. Das leben erwachte erneut, und zwischen dem gras der steppe öffneten sich kleine blumen. Das licht begann, rötlich-golden durch die steinesfalten der nahen berge zu leuchten. Der tag erbrach mit den geräuschen der wildnis, das atmen des windes und den lauten der tiere. Morgentau entwich in leichten schwaden über der wiese und durchzog das tal kurzfristig mit kühlem nebel. Doch alsbald schaute die sonne mit glutentbranntem auge auf Alderon herab, und ihre klare helligkeit bestimmte das geschehen des tages. Allsämtlich entwuchsen bunte blumen dem nordengrund. Fluginsekten waren stets bereit, mit erhalt des nektars ihrer verbreitung zu fröhnen.
So verstrich der tag, um die schatten der nacht zu übergeben. Bald schon näherte sich der riesenmond und begann, sich wieder zwischen Alderon und die sonne zu schieben. Friedvoll und mit einsetzender stille senkte sich der abend über den planeten und wiegte das leben auf ihn in einen kurzen schlaf.
Unberührt ruhte die natur. Blaugrau dämmerten die hügel der bergkette herüber. Der horizont füllte sich wieder mit wolken.
Doch diesmal durchschnitt ein heller strahl die atmosphäre. Winzig klein und kurz, wie die reflexion von metall, das es hier nicht gab. Donnernder lärm durchbrach plötzlich die stille und näherte sich langsam dem boden. Dann blieb es eine weile lautlos. Bis riesige kuppeln aus licht explodierten, und scheinwerfer sich über die noch dunkle steppe fraßen.


das meer, die fee und der teufel


Das meer spürte die dunkelgraue masse, die sich ihm entgegenwand, hineinstieß und seine chemische absonderlichkeit mit einem gurgeln vermischte. Schmutzige blasen entstanden da, wo die säure seine wogen berührte, und wie von eiter quoll an dieser stelle der wellenkamm empor.
In seiner bereitschaft, diesem auswurf zu fliehen, zog sich das meer zögernd zurück. Bis es ganz fern die pulsierende spannung des ufernahen sandes fühlte, als eine schar menschen sich trampelnd seinem abwartenden gestade näherte. Lachend und wie von blinder lust geschlagen, ergoßen sie sich schreiend ins wasser, und das meer konnte sie nicht warnen, da seine blauen augen von einem öligen nebel beschattet waren. Es nahm andere laute nur noch dumpf wahr, da der ausfluß seine sinne irritierte.
Aber wie die zweige auf der suche nach sonne die schatten teilen, entwand sich das meer steifrückig dem ekelhauch lebröser finger und spülte den schwarzen schlick in einen winkel zwischen den felsen, der der eingang zur hölle war.
Zögernd näherte es sich daraufhin wieder dem strand. Und da erschien an seinem gestade eine fee, die scheinbar von den klaren sternen getropft war und tauchte ein in sein wasser. Nackt in ihrer schönheit und nur vom mondschein bekleckst schwamm sie darin und gelangte zum schwarzen tor. Dort aber quollen ihr ölige tentakel von armesdicke entgegen und wollten sie ergreifen.
Nur mit knapper mühe konnte sie den fiebrigen auswüchsen entgehen. Schnell schwamm sie zurück und verbarg ihren schrecken im kühlen sand. Traurig schaute ihr das meer nach, wie sie weglief und wohl niemals wiederkommen würde.



Auf der Suche
von Yvonne Gutsche
acnteam@t-online.de


Das Licht der Mittagssonne umspielte die Lücken der Bäume und erhellte in voller Pracht die kleine Lichtung mit der wunderschönen Villa darauf. Über dem großen mit Säulen links und rechts versehenen Eingang hing ein bunt bemaltes Schild, auf dem "Kinderheim Walddorf" stand. Es lag in der Nähe von München und war seit über fünfzig Jahren im Besitz des Grafen von Prien.
Es war still um die Mittagszeit. Man hätte denken können, das Heim sei unbewohnt, nur herumliegendes Spielzeug auf der Wiese vorm Haus verriet, daß doch Leben in dieser Harmonie herrschte. Hier lebten fünfundzwanzig Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren. Unter ihnen der neunjährige Halbwaise Maximilian. Sein kurzes schwarzes Haar umspielte sein freches Gesicht mit den vielen Sommersprossen und den stahlblauen Augen.
Er kam nach dem Tod der Mutter vor sechs Jahren hierher und seit dieser Zeit war "Walddorf" sein Zuhause und die Bewohner seine Familie. Wo sein Vater lebte, wußte er nicht. Er besaß nur ein altes zerknittertes Foto mit einem Haus darauf, das in einem Tal umgeben von Bergen lag. Maximilian fragte sich oft, ob sein Vater wohl dort leben mag und ob er manchmal an seinen Sohn dachte. Das machte ihn dann immer neugierig. Vielleicht sollte er auf die Reise gehen und nach dem letzten Verwandten suchen. Jedoch wollte er nicht einfach weglaufen, schließlich sollen sich die Freunde hier und seine Lieblingserzieherin Fräu- lein Adelheid keine Sorgen um ihn machen.
Fräulein Adelheid war eine hübsche junge Frau und keiner der Betreuer war so warmherzig zu den Kindern wie sie. Jeder mochte sie und sie erinnerte Maximilian sehr stark an seine ge- liebte Mutter. Oft bürstete er ihr abends das lange blonde Haar und fühlte sich in diesen Momenten vollkommen frei und ge- borgen. Zu ihr hatte er so großes Vertrauen, daß er ihr an einem dieser Abende von seinen Gedanken erzählte. Sie hörte ihm ge- duldig zu, bis seine Worte in ein langes Schweigen übergingen. Nach einer Weile des Nachdenkens sprach Fräulein Adelheid davon, daß sie in zwei Tagen ihren Jahresurlaub antrete und da sie noch nicht genau wüßte, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollte, könne sie ihn ja für ein paar Tage mit auf die Reise nehmen, um nach seinem Vater zu suchen. Die Augen des Knaben wurden groß vor lauter Aufregung. War es Angst, die ihn jetzt erfüllte oder Freude, seinen Vater in die Arme schließen zu können? Vielleicht wollte er ihn ja gar nicht. Was wäre, wenn er eine neue Familie hat und Maximilian dann doch wieder auf sich allein gestellt ist? Fräulein Adelheid überzeugte ihn jedoch davon, daß es auf einen Versuch ankam.
Den gleichen Abend rief sie den Grafen an. Er war ihr Vater und ihm erzählte sie Maximilians Geschichte. Gerührt davon ließ er all`seine Kontakte spielen und nach ein paar Telefonaten kam das entscheidene Fax. Maximilians Vater lebte in Frasdorf. Der Ort lag nur ein paar Kilometer von hier entfernt. Als die Nachricht auch Fräulein Adelheid erreichte, hatte sie eine Idee. Sie erklärte Maximilian, sie müsse noch ein paar Erledigungen machen, ehe sie ihn zur gemeinsamen Reise abholen könne. Um dem Jungen eine vielleicht folgenschwere Enttäuschung zu ersparen, fuhr sie vorab nach Frasdorf, um Maximilians Vater auf den kommenden Besuch vorzubereiten und um zu schauen, ob er auch willig war, seinen Sohn wiederzusehen.
Wilhelm war ein freundlicher Mann mit den gleichen großen Augen wie sein Sohn, und auch die Sommersprossen und das schwarze Haar ließen keinen Zweifel an der Vaterschaft. Ganz aufgeregt und zitternd saß er an seinem morschen Eßtisch, als Fräulein Adelheid ihm von Maximilians Schicksal und seinem Wunsch berichtete. Nach der Trennung von seiner Frau und dem Kind brach der Kontakt ab, und auch von dem Tod der Mutter wußte er nichts. Die letzten Jahre war er sehr einsam und plötzlich fing er so laut an zu lachen, daß Fräulein Adelheid einen großen Schreck bekam. Doch es war die innere Befreiung seiner. Nun endlich hatte er wieder eine Aufgabe, eine Verantwortung - sein Sohn Maximilian.
Am nächsten Tag fuhren der Knabe und das Fräulein nach Frasdorf. Maximilian wunderte sich etwas, daß seine Vertraute sich hier auszukennen schien. Gezielt führte sie ihn auf einen Berg. Oben angekommen blieben beide stehen. Maximilian wollte sich eine Weile die Aussicht ansehen, bevor sie weiter- gingen. Doch er war längst am Ziel. Ganz deutlich erkannte er inmitten eines Tales das Haus von seinem Foto. Nun war alles geschafft und sein Traum hatte sich erfüllt: er war daheim!




animal erotica
Der bibermann, der kleine wicht,
erzählt der frau, er hätt die gicht.
Doch nur, um zu enteilen
und bei der kuh zu weilen.
Dort übernimmt er sich jedoch,
der rücken schmerzt ihm immer noch!
Nun klagt er garnicht mehr zum schein,
die wahrheit holt die lüge ein!
Eins schwört sich jetzt der biber:
zur kuh geh ich nie wieder!

Der panther ist gewandter,
als man so von ihm glaubt.
Er hat dem schaf im schlaf
die unschuld jäh geraubt.

Jungfer qualle merkt bedrückt,
daß ihr charme recht müde wirkt.
Ihr bräutigam, ein weißer schwan
läuft jeden and'ren hafen an.
Drum läßt sie sich die brüste heben,
und dennoch geht's tagsdrauf daneben.
Beim liebesakt gerät der schwan
in wallung zwar - das war ihr plan.
Doch wurd die heftigkeit verschätzt,
so daß die brust sich wieder setzt
und stetig dann nach unten sinkt,
der schwan, gewiß, fühlt sich gelinkt.

Der löwe zupft die bärin sacht,
die löwin grad ein schläfchen macht.
Doch wird sie ganz plötzlich munter,
drum holt er sich nur einen runter.




animal filosofica
Der mageninhalt von 'nem hecht
enthält zwei würmer - dies zurecht.
Hinzu kommt noch ein halber specht.
Das ist schon eher wunderlech.

Wie kam der specht in seinen magen?
Gilt es einmal nachzufragen.
Das wasser durft' ihn niemals tragen.
Wie konnte er es dennoch wagen?

Warum ist er nicht losgeflogen
über des wassers naße wogen?
Hatte ihn der schein getrogen
und zum gehen doch bewogen?

Vielleicht lag es auch nur daran,
daß der hecht geflogen kam!
Oder konnt gar keiner fliegen?
Wie konnt' der hecht den specht dann kriegen?

Niemals wird dies ganz geklärt.
Es scheint die antwort wohl verwehrt.
Denn eine auskunft hier erschwert,
daß beide tot sind - unerhöhrt!



Der karpfen ist heut wieder scharf
und handelt deshalb nach bedarf.
Erst nimmt er an der quelle
die launische forelle.
Dann wickelt er die qualle ein
und macht mit ihr ein töchterlein.
Doch obendrein versucht er's noch
bei der seekuh jede woch'.
Daß man meint, der karpfen wär
gar ein rechter hasardeur.
Doch anders ist es wie so oft:
die umwelt hat im karpfenloch
sich chemisch-reaktiv geirrt
und eine mutation bewirkt.
Nun sind die gene eingeschrumpft
und freigelegt die dauerbrunft.
Recht ist's dem karpfen allemal,
er hat jetzt nur die qual der wahl.
Doch irgendwann, ganz plötzlich dann,
will das herze nicht mehr ran.
Kann nicht mehr geh'n, bleibt ganz steh'n,
der karpfen hat's, das nachsehen.
Nur die vielfalt vom gesetz
ist einwenig reicher jetzt.
Zur karpfelle und quallpfu
gibt es nun 'ne karpfenkuh.


das mopsgedicht

Da sitzt er ja, der dicke mops,
und denkt, heut gibt es wieder klops.
Doch das aroma in der luft,
diesmal kommt's vom bratenduft.
Davon geb ich garnichts ab,
auch wenn er's nicht begreifen mag.
Beriecht den boden ab und zu
und gibt letztlich doch keine ruh.
So hockt er da in seinem speck,
will nicht verstehen, geht nicht weg.
Die fettschicht unter seinem kinn,
die stapelt sich schon weiß wo hin.
Wulst auf wulst ist aufgereiht
übereinander mit der zeit.
Selbst augenringe stellen fest,
nicht die nacht sie werden läßt.
Doch allmählich wird ihm klar,
der klops war gestern offenbar
nicht alltäglich und zudem
die ausnahme vom gescheh'n.
Drum fängt er jetzt zu winseln an,
beriecht mein bein zunächst spontan
und schaut recht kläglich hoch zu mir.
Die stirn in falten - armes tier.
Fragend verzieht sich sein gesicht:
haste nicht 'n klops für mich?
Die wülste, nunmehr in aktion,
erklären seine mimik schon.
Grübelndes wird plötzlich alt,
tragisches zur längenfalt.
Dazu grotesk der stummelschwanz
schlägt stakato auf zum tanz.
Der fette sack, vom po bis kinn,
setz sich mir nun zu füßen hin.
Und verbirgt mit viel talent,
was man sonst ein bäuchlein nennt.
Die knopfaugen sind bitterlich,
der runde mund wirkt knitterlich.
So schaut der mops - ist kaum zu glauben -
mir unnachgiebig in die augen.
Und zwingt mich so nach einer weile,
daß ich den braten mit ihm teile.


Ich esse gerade klops, da klopt's:

Ich steh auf und schau hinaus,
dunkelheit liegt vor dem haus.
Ich späh umher, frag mich, wofür,
da steht ein rabe vor der tür.
Schwarz sein gefieder wie die nacht,
schreitet er ein, eh ich's gedacht.
Springt auf den tisch zum teller hin,
jetzt ahne ich der handlung sinn.
Krähet und hüpft mir auf die gabel,
nimmt meinen klops sich in den schnabel.
Breitet drauf die schwingen aus,
und fliegt alsbald zur nacht hinaus.
Verschwindet rasch, eh ich's verseh
und ohne abendmahl dasteh!



unter dem motto:
das verlegenheitsgedicht des mittwochs

das erste verlegenheitsgedicht des mittwochs
oder der ungestraft gebliebene eingriff in die kindliche unschuld

Mama, sprach das Klärchen,
erkläre mir ein märchen.
Es waren mal zwei bärchen,
die hatten nur drei härchen.
Also frug das Klärchen:
wer hatte denn nun zwei und wer nur eins in diesem märchen?

Klärchen, sprach da die mama,
so ist das märchen garnicht wahr.
Es waren doch drei bären da,
ja schau - und mit nur einem haar.

Mama, sprach darauf die kleine
bei einem ist's, als ob er weine.
Und auch der andre hat so eine -
sag, du weißt schon, was ich meine.
Jetzt ziehen sie auch noch zum scheine
dem anderen an seinem beine.
Nun ist's gut, sprach da die frau,
du bist ja wieder neunmalschlau.
Bei dir weiß man es nie genau,
was heute rot ist morgen blau.

Doch mama, eröffnete das kind,
nun treten sie auch noch geschwind
dahin, wo bei mir nur grübchen sind.
Und das ist gemein, ich find,
davon wird der bär ganz blind.
Jetzt will ich auch, daß er gewinnt.

Aber kind! rief da die alte,
gib schnell das heft und dann falte
deine hände, sonst gibt's kalte
umschläge, so gott walte.

So wurde Klara für die nacht
mit stoßgebet zu bett gebracht.
Doch der traum hat es vollbracht:
sie hat erneut an ihn gedacht.
Nur diesmal hat der bär gelacht,
denn nicht ein haar hatte er - gleicht acht!



Forellenquintett -------------------------


I
1. In einem Bächlein helle,
da schwamm in froher Eil
die launische Forelle
vorüber wie ein Pfeil.
2. Ich stand an dem Gestade
und sah mit süßer Ruh
des munt'ren Fischleins Bade
im klaren Wasser zu.
3. Der Fischer mit der Rute
wohl an dem Ufer stand
und sah mit kaltem Blute,
wie sich das Fischlein wand.
4. So lang das Wasser helle,
so dacht ich, er gebricht
und fängt dann die Forelle
mit seiner Angel nicht.
II
Bis hier hat Mozart wohldurchdacht
die zeilen zu papier gebracht.
Doch überliefert ist uns nicht
das wahre end' vom liedgedicht.
Es heißt, daß im delirium
er weiter schuf sein versgesumm.
- Was bisher unverbürgt gewesen,
ist nun endlich nachzulesen.
III
1. An eines Bächleins Rande
da jagt ein hurtiges Ding
ganz außer Rand und Bande
einen Schmetterling.
2. Es ist des Fischers Pudel,
der hier am Bächlein spielt -
springt plötzlich in den Strudel,
ihn nichts am Ufer hielt.
3. Mir tat das Herzweh bluten,
sah ich den kleinen Tor
verschwinden in den Fluten;
er kam nie mehr hervor.
4. Der Fischer mit der Rute
entsetzt die Tat erblickt.
Drauf hielt er ein, der Gute,
sich gram nach Hause schickt.
IV
1. Auf eines Bächleins Grunde,
da trieb in sanfter Ruh
der Leichnam von dem Hunde
auf die Forelle zu.
2. Und in der Biegung Nische
schwimmt nun im Bach allweit
das Hundche mit dem Fische
in tiefster Seeligkeit.



Motorad-Blues

Wo sich die gedanken dir voran ergießen,
und das blau des himmels zart mit ihnen schmilzt,
da bist du auf der straße der unendlichkeit.

Wenn du dann den fernen hauch in deine lungen füllst
und dich treiben läßt, wo himmel die erde umarmt,
dann bist du selbst unendlich und frei.


die straße brennt

Die hand in der tasche, zu einer faust geballt,
seh ich, wie ein bulle mit knüppelnder gewalt
durch den rauch der straße, es ist, als ob sie brennt,
hinter einem typen wie im amok rennt.

Dieser stürzt zu boden, das gesicht voll blut,
da merk ich heiß in mir die aufkommende wut.
Wie in einem rausch schlägt der bulle zu,
und dann sehe ich, den er schlägt bist du.

Du, der mir sagte, das hat doch keinen sinn,
der das auch nie wollte, das war für dich nicht drin.
Hast vorher ja gewußt, im straßenkampf geht's rund,
und liegst jetzt in der gosse mit
blutverschmiertem mund.

Der bulle über dir, der atmet deine angst,
und das gibt ihm zuversicht, die du nie erlangst.
Du preßt dich dicht ans pflaster, verfolgt von
seiner gier,
und doch knüppelt er weiter wie ein wildes tier.

Ich denk, dem haben sie in ihrem hellen wahn
zuviel vom arsen in die blausäure getan.
Ich fühl jetzt meine faust in der tasche rauh,
und da schwör ich mir, das schwein machste zur sau!


schlaf weiter, mein kind!

Der mensch vergiftet den atem uns'rer welt.
Drum schlaf weiter, mein kind, bis er's besser weiß.
Sei nicht furchtsam. Wenn du jetzt erwachst,
sing ich dir einen lieblich neuen traum.

Keiner zwingt dich zu hassen mit gewehren in den augen,
weil du immer der süßeste kleine engel bleiben wirst.
Rufen werde ich dich erst, wenn die welt das töten läßt,
und wenn sie wieder anfängt, für dich zu erblüh'n.
Das ist der tag, der dich schützt schon bei deinem ersten schrei,
und dieser wird für mich, mein kind, friedvoll zum sterben sein.